Web-2.0-Geschäftsmodell: Es braucht eine neue Denkweise: Erfolgsfaktoren und Tipps
Die Serie von Kurz-Videos zu den O’Reillyschen Web-2.0-Prinzipien schliesst mit diesem neunten Beitrag. Im Gespräch mit Jörg Eugster, Geschäftsführer der OPAG Online Promotion AG , ist von Erfolgsfaktoren der Web-2.0-Geschäftsmodelle, dem Nichtverstehen des Internet, dem Umdenken-Müssen und vor allem von Herzblut und Begeisterung beim Internet-Unternehmertum die Rede.
Einige Kernaussagen, grösstenteils wortwörtlich, sind diese:
- Über unser Webcam-Portal (SwissWebcams, Webcams.travel) hiess es «Das ist eine gute Idee, aber das gibt es ja schon! » Die Leute haben nicht begriffen, dass man etwas, das es schon gibt, einfach noch besser und anders machen kann. … Wir haben einen anderen Mehrwert geschaffen für die Benutzer, für verschiedene Situationen.
- Wir wurden ja belächelt, als wir mit diesem Webcam-Portal begonnen haben. … Es hat niemand ganz verstanden, was das soll. … Wenn es zu viele Leute verstehen, dann ist es möglicherweise eben zu einfach, dann kann man auch zu einfach kopiert werden.
- Auch wir hatten zu Beginn noch kein Geschäftsmodell, einfach die Begeisterung für etwas. … Die Empfehlung für Internet-Unternehmer ist: Wenn, dann mit Herzblut machen; dann das lange genug verfolgen – nicht zu früh aufgeben – und irgendwann wird es dann zu einem Erfolg.
- Als die Internet-Blase geplatzt ist, da haben die Verleger hämisch gegrinst und gesagt: «Ja wir wussten, es ist halt doch dasselbe Geschäftsmodell.» Die Leute denken noch in der alten Welt. Es ist eben nicht dasselbe, es braucht eine neue Denkweise.
- Man muss zuerst Relevanz, Traffic aufbauen. Erst dann kann man Geschäfte damit machen. Eugster kennt Marketing-Leute, die übertrugen das verlegerische Modell auf eine Website und verkauften von Anfang an Einträge – und hatten dann das Problem, dass Werbebuchungen nicht verlängert wurden.
- Auch das Web 2.0 verstehen viele nicht. Eugster findet, dass manche Nachfrage bei ihm, wie man das Web 2.0 für sich nutzen könnte, nicht weit weg ist von der Formulierung: “Wo kann ich mir das bestellen und herunterladen?”
- Zu den Erfolgsfaktoren von Web-2.0-Geschäftsmodellen: Die erfolgreichen Modelle beginnen nicht unbedingt mit einer klaren Strategie und detaillierten Businessplan, sie entstehen durch einen Geistesblitz. Dann mache ich es mit Begeisterung, ohne dass ich schon die Dollarnoten sehe – so z.B. auch anfangs tel.search.ch. Gerade das ist der grosse Unterschied. Man muss erst mal schauen was passiert.
- Wenn Eugster mit PR-Fachleuten über Blogs gesprochen hat, machte er oft die Erfahrung, dass man ihm entgegenhält: «Eine Medienmitteilung hat einen gewissen Standard zu erfüllen, das ist Berufsethos.» Da kommt immer dieser Qualitätsanspruch – auch für Journalisten. Auf der anderen Seite haben wir Leute, die sind auch nicht dumm. Wir finden die “kollektive Intelligenz” partiell in Blogs drin. Ein Blogbeitrag ist etwas Individuelles, persönliche Erfahrungen. Jetzt ist da die Frage: Was ist besser? Ich sage in meinen Vorträgen immer: “Wer hat recht? – Nur der Kunde hat recht!”
Women Wired in Web 2009 – Women Wired in BOSW-Jury 2010
Die Jury zur Bestimmung der Best of Swiss Web Awards (BOSW) für 2010 hat letzte Woche getagt. Es waren wiederum fast runde 100 Juroren am Werk. Und doch war etwas ein klein wenig anders. Ob es jemanden aufgefallen ist? Es wurde jedenfalls kein Tamtam darum gemacht. Aber bevor ich dieses Rätsel auflöse, blicken wir zunächst auf BOSW im vergangenen Jahr zurück.
In 2009 gab es den Spezial-Award «Women Wired in Web».
Der Anteil von Frauen, die sich für ein Berufsbild in der Web- und IT-Branche entscheiden, ist verschwindend gering. Es braucht also Marketing-Massnahmen zur Ermunterung nicht nur von jungen Frauen, sondern auch ihrer Ratgeber/innen und Arbeitskollegen, diesen Weg einzuschlagen und Karrieren ins Auge zu fassen. Es ist bekannt, dass Vorbilder und Identifikationsfiguren sehr wirksam sind, Barrieren und Vorurteile abzubauen, dass gewisse Berufe nur für Männer oder für Frauen geeignet seien. Und genau das konnte der Award leisten: Frauen sichtbar machen, die eine leitende und massgebliche Rolle in preiswürdigen Web-Projekten inne haben, und damit lebendig zeigen: Das sind Frauen verschiedenster Persönlichkeiten, die Spass an ihrer Arbeit ausstrahlen und hochinteressante Ergebnisse mitgestalten. Solche Bilder braucht es nicht einmal oder zweimal, sondern wieder und wieder, um die “alten” und unbewussten Rollenbilder in den Köpfen durch zeitgemässere und vielfältige Eindrücke allmählich verblassen zu lassen.
Wie Gespräche an der Award-Night zeigten, wurde diese Intention und Bedeutung von Identifikationsfiguren von vielen nicht erfasst. Einige sahen es als ungerechtfertigte Bevorzugung von Frauen an, d.h. sie fühlten sich diskriminiert. Es war schwer für sie zu erkennen, dass die Frauen nicht nur als Anerkennung für ihre Leistung eine Bühne bekommen hatten, sondern dass die Bühnenbilder für die Zielgruppe gedacht sind, die Berufswahl- und Karrierewegsentscheidungen trifft und beeinflusst.
Nun aber zur Auflösung, was denn in 2010 ein klein wenig anders war: Wir wissen nicht, wie man die Wirkung dieser Women-Wired-in-Web-Aktion im grossen und ganzen messen könnte. Was wir wissen ist, dass aus der dafür in 2009 speziell zusammengestellten Frauenjury einige für die Jury-Community rekrutiert wurden, d.h. jetzt wirklich dazuzählen. In 2008 war der Frauenanteil unter den Jurymitgliedern ca. 5.5 Prozent, in 2010 waren 15 Frauen dabei, d.h nun sind es 17 %.
Wie müsste die Geschlechter-Diversity denn sein, damit man gar nicht mehr auf die Idee kommt, diese Zahlen überhaupt auszurechnen? Bis dahin wird es noch eine Weile gehen, schätze ich. Auch ausserhalb der Schweiz gibt es Plattformen für das Thema Berufsmarketing durch Identifikationsfiguren. Z.B. dieses Business Magazine for Female Internet Heroes. Wir sind gespannt, wann eine Projekteingabe dieser Art bei BOSW zu jurieren sein wird.
Blick zurück und voraus: Pragmatisch und schrittweise von 1.0 zu 2.0
In der Schlussrunde dieer Vlog-Serie zu den Web-2.0-Prinzipien erlaube ich mir, explizit danach zu fragen, was Fehleinschätzungen waren. Zum einen was man rückgängig machen musste, weil es nicht funktioniert hat. Zum anderen Fehleinschätzungen in umgekehrter Richtung: So hören wir, wo Überzeugungsarbeit notwendig war etwas zu machen, das sich zwar klar bewährt hat, an dessen Nutzen einige aber anfangs nicht recht glauben wollten.
Zu beiden Sichten gibt Jörg Eugster offen Auskunft.
- Als wir begonnen hatten dachten wir, Affiliate Marketing (Performance Marketing) wäre das Geschäftsmodell. Es ist natürlich weit verbreitet, nur haben wir damit nichts verdient. Da muss ich sagen, da bringt Google AdSense unter dem Strich mehr.
- Wir machen andere Dinge, die viel erfolgreicher sind, die uns helfen, Traffic aufzubauen.
- Zu den Mitmachen-2.0 Glaubenssätzen meint Eugster: Wir haben ganz pragmatisch gesagt, wir fügen ein paar interaktive Elemente hinzu (Bewertungen, Kommentare) und sehen wie sich das entwickelt. Wir hatten nicht erwartet, dass das der Hammer wird.
- Wo ich meine Kollegen überzeugen konnte war, dass wir einen Blog eingerichtet haben (Topin.travel und Webcams.travel). Dort werden kurze Meldungen geschrieben, z.B.:
- Wenn wir etwas Neues auf den Websites aufschalten,
- wenn wir wieder eine grössere Anzahl neuer Mitglieder haben,
- und wir nutzen den Blog auch für FAQs.
- Ich kann nicht jede kleine Information als Pressemitteilung herausgeben. … Wenn Journalisten uns anschreiben, dann verweise ich auch auf den Blog als Quelle.
- Die Verlinkung ist ausserdem ein Nutzen für das Suchmaschinenmarketing.
- Die Weitergabe des Content (hier der Webcam-Aufnahmen) wird nicht empfunden wie die Copyright-geschützte Verwertung von Inhalten. Es ist im Interesse der Webcam-Betreiber, dass möglichst viele sie sehen; das ist ein Marketing-Instrument. Ausserdem gibt es die Backlinks zur Quelle.
Jörg Eugster, Geschäftsführer der OPAG Online Promotion AG

Meine spannendste Tagung der letzten Monate: Auf gestrandeter Trainings-Arche
In der Ausgabe 11. des WissensWert Blog Carnival fragt Jochen Robes, welches die spannendste Tagung in den letzten Monaten war.
Ich wusste meine Antwort sofort: Es war die SCOPE’ 09 im September in Wedel. Die war im übrigen kein Barcamp (siehe WissensWert Blog Carnival Ausgabe 8: Edu-Barcamps), was man spontan wegen meinem Interesse an Lern-Themen vermuten könnte. Zur SCOPE’09 hatte mich Ulrike Reinhard eingeladen, und zwar auf das Segelschiff “Roter Sand”, auf dem dann 23 Leute zusammen kamen. Die Wirkung der “Architektur” des Tagungsortes fand ich äusserst spanned: Es brauchte nicht zahlreiche Gruppenarbeitsräume – nein im Gegenteil. Das Schiff bot auf kleinem Raum viele verschiedene Gesprächsorte (klicke diesen Link zum Video, die Szenen nach dem kurzen Digeredo Auftakt). Es war zudem störungsfrei möglich, sich zwischen diesen Gesprächstreffpunkten fliessend zu bewegen, oder auch sich mal auszuklinken. Das ist wie «Open Space» sich anfühlen sollte. Um ein wenig von dieser Atmosphäre in Konferenzsäale und Messehallen zu holen, könnte man ja einmal eine “Trainings Arche” mitten im Messe-Meer plazieren.
Dann das web-zwei-nullig Spannende, das mich heute noch fasziniert und mein Weiterdenken beschäftigt, waren die diversen und neuartigen Arbeitsweisen, wie die Gruppen ihre Ergebnisse festhielten. Das ist ein wichtiger Gestaltungsaspekt von “Tagungen”.
Die engen Platzverhältnisse und die an das Kindergeburtstagsspiel “Schokolade-mit-Handschuhen-schneiden-müssen” erinnernde Einkleidung in Rettungswesten machten es praktisch unmöglich, mit traditionellen Mitteln zu arbeiten: Wie sollte man da Flipchart-Zeichnungen handhaben, Folien für die Präsentation auf einem Overheadprojektor bemalen, und aufwendige PPT-Slides erstellen. Aber ein Notebook oder andere Devices mit Netzanschluss hatten einige dabei, denn das gute alte Schiff war mit W-LAN ausgestattet. Es genügte eine notdürftige Leinwand für die Momente, wo es einen Beamer brauchte. Sie behinderte zwar wie ein Vorhang den Weg in die Kaffeeküche, dafür gestaltete sich das Geschehen an und um die Leinwand für die Zuschauer abwechslungsreich.
Einer der Teilnehmer, Frank Hamm, machte TV und “streamte” unsere Tagung in Echtzeit ins Internet. Mit Handy – oder waren es andere Video-Devices? – wurden Videoschnippsel und Statements aufgenommen, nicht nur getwittert #scope09. Und deshalb gibt es auch Fotos, hier in der Diashow zu sehen:
Einzelne (z.B. Frank Roebers, Ulrike Reinhard) machten ihre Mitschrift zur Veranstaltung gleich im persönlichen Blog. Ich selbst folgte wie oft der heissen Spur von neuen Tool-Tipps, die Martin Lindner immer auf Lager hat, und notierte die Arbeitsergebnisse unserer Gruppe ins simultan-kollaborative Wiki Etherpad, d.h. auf eine öffentliche Website. Das fand ich genial, muss ich sagen. Es war nicht allein meine Verantwortung, für die Ergebniskommunikation am nächsten Morgen den Bericht zu schreiben, die Hotelzimmeraufgabe hatten wir alle. Noch bevor ich dann am nächsten Morgen präsentierte – und auch während der Präsentation als eine Diskussion am runden Tisch dazu aufkam – ergänzten, verbesserten und formatierten Mitglieder meiner Gruppe den Text. Das Mitprotokollieren war wie gleichzeitiges Editieren eines Wikipedia-Artikels – und das im Zeitrafferfilm vor aller Augen. Als ich ausgesprochen hatte, war der Text schon weiterentwickelt und ist jetzt immer noch für jeden nachlesbar und verlinkbar, siehe die Site “Clou-Ship Manifesto – Collective Intelligence im Unternehmen verankern“.
Mit einem Schmunzeln halte ich als eines von viel Gelerntem fest: Wenn es darum geht, eine neue Tagungskultur zu schaffen und alte Praktiken über Bord zu werfen, dann ist es manchmal besser, man macht es den Leuten hinsichtlich Platz und Arbeitsmitteln unbequem und legt ihnen Beschränkungen auf. Dann entsteht Energie, sogar so viel, dass es uns gar nicht viel ausmachte, dass das Schiff auf Sandbank lief. Ganz wie der Volksmund schon immer wusste: Not macht erfinderisch, d.h. innovativ: Besonders wenn Web-Innovation mit an Bord sind.
SaaS-ERP wird in KMU zu wenig genutzt: Doktorand Björn Link forscht nach
Das SaaS-ERP-Angebot wird zu wenig wahrgenommen, obwohl sich neue Möglichkeiten der ERP-Einführung für KMU’s eröffnen könnten. Weshalb und welche Probleme insbesondere KMU’s haben, will der Autor erforschen, und erklärt Ihnen näheres hier im Video.
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Björn Link ist selbst langjährig in einem Schweizer KMU tätig und aktuell in einem ERP-Einführungsprojekt beteiligt; im Rahmen seiner Doktorarbeit bei mir in der Forschungsgruppe Business 2.0 sucht er nach Praxispartnern (Nutzer, insbes. KMU’s; ERP-Anbieter; ev. Provider), um deren Interessen und Bedürfnisse in Erfahrung zu bringen, denn daran werden sich seine spezifischen Forschungsfragen ausrichten. Eine Anteilnahme am Forschungsgegenstand ist möglich, ja sogar erwünscht. Bei Interesse bitte melden unter: bjoern.link@student.unisg.ch.
Die einzelnen Fragen, die er als Anregung präzisiert, sind im Video ab ca. Min. 1.40 zu sehen und zu hören.
Long Tail: Das Geschäftsmodell ist eine Nische
In dieser Folge erklärt Jörg Eugster, Geschäftsführer der OPAG Online Promotion AG, am Beispiel des Buch-Vertriebs, was mit “Long Tail” bei Geschäftsmodellen rund um digitale Produkte gemeint ist. Analog kommt bei Webcams.travel der “Long-Tail” ganz stark zum Tragen.
- Ein grosser Teil des Traffic kommt Dank dieses “Long Tail”. Webcams als Suchbegriff ist kein Blockbuster.
- Der “Long Tail” ist so gross, wir können theoretisch Millionen Webcams bei uns aufnehmen – nicht nur die relevantesten; das gibt bei digitalen Produkten – wie einem Webcam-Bild – kein Problem. Eine Buchhandlung mit physischen Produkten – im Gegensatz dazu, kann praktisch nur die Umsatzträger im Verkaufsraum haben.
Wir kommen auch auf die Imitierbarkeit des Geschäftsmodells zu sprechen, und ob es eine Rolle gespielt hat, erstes oder nicht unbedingt erstes Webcam-Portal gewesen zu sein (First Mover bzw. Early Mover Advantage).
- Die Bedrohung durch Kopieren bzw. Imitieren des Geschäftsmodells schätzt Eugster gering ein: Er sagt: Es ist schwer, zusätzlich Nutzen zu schaffen. Die Frage ist ja: «Geht es billiger als gratis?» Wir haben viele Partner – wenn man diesen Webcams anbietet, dann sagen die doch: «Die haben wir ja schon.»
Auch ist unser Geschäftsmodell eine Nische, nicht wie Musik-Downloads, wo man Millionen verdienen kann. - Das Geschäftsmodell wurde damals bei einem Wettbewerb von der Jury nicht verstanden, meint Eugster. Es hiess: «Webcam-Portale gibt es doch schon.» Man muss es aber anders tun und besser tun: Unser USP (Alleinstellungsmerkmal – Unique Selling Proposition) ist, dass die Webcams auf Google Earth und Google Maps zu sehen sind (Web 2.0 Mash-up).
- Es ist auch wichtig, dass man breit abgestützt ist; das macht die Verbreitung aus. Die API z.B. kann jeder nutzen (u.a. für mobile Apps).
Openness and Architecture of Participation: Ich gebe dir, und du gibst mir
In dieser Episode zu den Web-2.0-Prinzipien geht es um die Beiträge der Internet-Nutzer zum Geschäftsmodell; dies wird in Web-2.0-Terminologie auch Co-Creation oder Peer Production genannt. Diese Nutzerbeiträge machen ja das Web 2.0 erst zum sogenannten Mitmach-Web. In Verbindung damit kommen auch die Facetten von “Openness”, Open Content und Open Source, zur Sprache.
Wie in Webcams.travel die “Architektur für Partizipation” gestaltet ist, erläutert Jörg Eugster, Geschäftsführer der OPAG Online Promotion AG, und erzählt viele Beispiele für Erlebnisse mit Usern.
- Unsere Plattformen sind alle auf Basis von Open Source entwickelt. Wir haben z.B. PHP und mySQL im Einsatz.
- Beim Content haben wir auch den offenen Ansatz: Jeder – mit kleiner Einschränkung (d.h. es sollten touristisch relevante Webcams sein) – darf seine Webcam bei uns anmelden, und wir geben diese auch weiter an andere Portale.
- Jede aufzuschaltende Webcam wird geprüft; man möchte ja ausschliessen, dass unseriöse Inhalte platziert werden. Die Gemeinschaft der Nutzer hilft im Qualitätsprozess mit; Besucher der Website können mit einem Klick z.B. anstössige Webcams melden, diese werden dann sofort deaktiviert.
- Zum Thema aktiv Mitmachen, d.h. Inhalte beitragen, sagt Eugster: Man muss unterscheiden zwischen Bewerten und Kommentare Schreiben. Das Bewerten – mit dem Sternesystem – das wird sehr wenig gemacht. Die Kommentare zu Webcams, das ist im Bereich von wenigen Prozentpunkten. Die Webcam des Eiffelturms hat viele Bemerkungen in verschiedenen Sprachen.
Wenn sich jemand z.B. damit auseinandersetzt, dass die Übersetzung der Website nicht gut ist, das ist im Promille-Bereich oder noch weniger – aber die haben dann ein sehr hohes Involvement in unsere Seite. Wir hatten einmal jemanden der sagte, die Isländischen Webcams wären alle am völlig falschen Ort platziert; der hat sich die Mühe gemacht, uns zu sämtlichen Kameras mitzuteilen, wo genau der Standort ist. Diese Feedbacks, die wir bekommen von den Leuten, das macht natürlich sehr viel Spass. - Das Motiv für Leute, sich ohne Bezahlung zu engagieren, nennt Jörg Eugster – an einem Beispiel eines ganz jungen Übersetzers - “Streicheleinheiten”: Einmal meldete sich jemand und sagte, die Seite auf Finnisch gäbe es nicht, und er würde das übersetzen, was er auch im Rekordtempo gemacht hat. Dann habe ich beim Chat herausgefunden, das ist ein 11-jähriger Junge in Finnland. Jeder Übersetzer wird von uns genannt, auf der Website heisst es: “Wurde übersetzt von: …”. Der Junge kann jetzt seinen Freunden sagen: Schaut mal, ich habe die Finnische Übersetzung gemacht!
Jemand anders hat uns die Italienische Übersetzung verbessert; er wollte nur einen Link auf seine Website, und hat dann alle Webcams auf seinem Portal genutzt: Es ist also wie ein Austausch: Ich gebe dir was – du gibst mir was.
Leseauswahl von 40 Seiten für ein Seminar: Aus dem Buch Praxisleitfaden Enterprise 2.0
Für die Teilnehmer/innen an meinem Enterprise 2.0 Seminar (ein Kollege sagte mir neulich, ich solle das didaktische Format doch treffender “Bootcamp” oder “Arbeitslager” nennen) habe ich mir schon länger vorgenommen, auf deren spezifische Situation in Unternehmen zugeschnittene Leseempfehlungen zu geben. Da sie das Buch aus eigenem Haus: “Web 2.0 in der Unternehmenspraxis, 2. Auflage 2009″ ohnehin mit ihren Unterlagen erhalten, schaue ich mich dafür nach weiteren aktuellen Quellen um. Wegen des Titels “Praxisleitfaden …, 2009″ ist als erstes das Buch von Frank Schönefeld, COO T-Systems Multimedia Solutions, an der Reihe.
Und damit der Lesestoff nicht überbordert, lege ich die Vorgabe fest: Eine Auswahl von maximal 40 Seiten!
Auf die Linked-In Kontaktanfrage mit meiner Nachricht “Ich vertiefe mich gerade in Ihr Buch” schreibt er zurück: “… halten Sie durch :-).” Und nach der Lektüre der ersten 120 Seiten kann ich die Ermunterung gut verstehen, denn für das Zielpublikum Unternehmenspraktiker wird es erst ab dem Kapitel 5 verständlicher und meines Erachtens wirklich lesenswert, mit gut weiteren 120 Seiten.
Mit der Vorgabe “max. 40 Seiten” würde ich als Lektüre- und Arbeitsmaterial zu meinem “Seminar bzw. Bootcamp” für Unternehmenspraktiker, die sich näher mit dem Einsatz von Social Software in Unternehmen befassen wollen, diese auswählen:
- Investitionsrechnung für Soziale Software (Business Case), Kapitel 5.1.3 f., S. 126- 133 bis einschliesslich des Nutzenszenarios 1: “Effektive Meetingorganisation und Nachbereitung”, das ein Raster vorgibt und an einem Beispiel vorführt, wie man solche überschlägigen Berechnungen angehen kann. Schönefeld schreibt, das verwendete ROI-Schema orientiere sich an dem im Buch von A. Newman/J. Thomas: Enterprise 2.0 Implementation behandelten. Generische Wertversprechen sind in einer Tabelle und einer Abbildung im Anhang zusammengestellt: “Wertversprechen von Enterprise 2.0″, S. 251 f.
- Generelle Muster, die sich aus Fallstudien ergeben (vgl. dazu auch das – in vorwiegend Deutscher Sprache gehaltene – Enterprise 2.0 Fallstudiennetzwerk www.e20cases.org) , zu den Themen “Einführungsmodelle für Enterprise 2.0″ sowie “Anwendungsfälle und Geschäftsprozesse für Enterprise 2.0″, Kapitel 6.2, S. 155 ff. – 158, vgl. auch im Anhang: “Blueprints von Enterprise 2.0, S. 253 f.” Die Einteilungen sind als Orientierungswissen nützlich; die Zahlenangaben sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten, da dazu selten wissenschaftlich rigoros erhobenen Datengrundlagen vorliegen. Auch bei den Fallbeispielen fehlt oft die kritische Validierung als “Good bzw. Best Practices”, denn die meisten stammen nicht aus wissenschlich fundierter “Fallstudienforschung”, und es kommen auch laufend weitere hinzu.
- Enterprise-2.0-Projekte sind in erster Linie Organisationsentwicklungs- bzw. Change oder Transformationsprojekte; sie werden immer mit Beteiligung der IT (Informationstechnik, Informatik-Abteilung) – was nicht heissen soll IT-getrieben – umgesetzt. Für alle Projektbeteiligten ist ein Grundverständnis für die Denk- und Sprechweise der Wirtschaftsinformatik/er essentiell. Es macht deshalb Sinn, die Vier-Schichten-Architektur wie in Kapitel 7.2.3 dargestellt, S. 184-185, zu besprechen.
- Damit die Risiken nicht vergessen gehen, stichpunktartig Aspekte der Governance (Sicherheit, Datenschutz, Corporate Identity, Compliance, Redaktionsprozess, Qualität), Kapitel 7.3.3, S. 193-194.
- Entwicklungsdimensionen und Reifegrade des Enterprise 2.0, Kapitel 8.2, S. 208-220; diese Darstellung verdeutlicht sehr anschaulich, wie die Ausgangssituation in einem Unternehmen oder einer Organisationseinheit eingeschätzt werden kann und wie man sich die nächste(n) Entwicklungsstufe(n) konkret vorstellt. Den Lesern wird klar, dass die Einführung von Social Software in Unternehmen situationsbezogen, d.h. unternehmensindividuell, anzugehen ist und es sich um einen facettenreichen Veränderungsprozess handelt.
- Wie man systematisch zu einem Zielzustand kommt, wird mit (Projekt-)Vorgehensmodellen beschrieben (Kapitel 9). In meinem speziellen Fall wird im Seminar die aus einem eigenen laufenden Forschungsprojekt stammende Einführungsmethode IMPACT behandelt, so dass ich für die Unterlagen meiner Teilnehmenden lediglich ergänzend die Darstellung einer fiktiven Anwendung des Vorgehensmodells Enterprise 2.0 als zu bearbeitende und zu diskutierende Fallstudie in Betracht ziehen würde. Kapitel 9.3, S. 239 – 245.
PS: Die Headergrafik ist ein Ausschnitt aus der Mentionmap vom 26. Jan. für Frank Schönefelds Twitter-Aktivität (”each user is connected to the people and hashtags they mentioned most in recent tweets.”)
Lightweight and Scalable: Virales Marketing und Automatisierung
Jörg Eugster, Geschäftsführer der OPAG Online Promotion AG, erläutert in dieser Episode, dass man mit wenig Kapital und Ressourcen in Internet-Geschäftsmodellen etwas erreichen kann. An seinen Beispielen werden die verschiedenen Aspekte des Web-2.0-Prinzips “Lightweight Models and Cost-Effective Scalability” deutlich; die Taktik des Viralmarketings (auch User-driven Marketing oder Marketing 2.0 genannt) befördert durch den Netzwerkeffekt* das Geschäftswachstum.
- Lightweight Business Models
Webcams.travel haben wir in einigen wenigen Monaten programmiert; das ist zu einem Selbstläufer geworden, der Netzwerkeffekt beginnt jetzt zu greifen. Durch unsere Präsenz auf vielen Web-Plattformen – weil wir den Content eben gratis weitergeben – entsteht eine gewisse virale Verbreitung.
Auf der technischen Ebene ist es definitiv nicht teuer: Ich muss keine eigene Hardware haben, ich kann mit einer Website starten wo ich nur eingemietet bin. Auch für die Applikationsentwicklung muss man keine Millionenbeträge investieren. Wo man als Start-up am meisten invetieren muss, ist im Bereich Marketing.Vor zehn Jahren hatten wir in einem Internet-Start-up für die IT ein Budget von 2 Mio; der Marketingleiter hatte ein Budget von 10 Mio. Das Schwierige ist, dass man überhaupt wahrgenommen wird. Das ist aufwendig.
- Viralmarketing-Effekte
Wenn wir das Beispiel SwissWebcams nehmen, dann hatten wir da das virale Marketing: Wir haben den Benutzern gesagt, wir tragen dich gratis ein, und es würde uns sehr freuen, wenn du uns einen Link setzt. Das ist wie eine persönliche Empfehlung, wenn ich einen Link irgendwohin erstelle; das hat dazu geführt, dass wir so viele Backlinks haben, dass wir in der Schweiz mit dem Suchbegriff “Webcams” bei Google DIE Instanz sind.
- Zeit bis zur Bekanntheit
Ich denke, das dauert schon so drei Jahre. Als wir im Radio das erste Mal in DRS3 als Tipp des Tages erwähnt wurden, dann merkte man: Jetzt ist man wahrgenommen worden. Dann geht es Schritt für Schritt weiter. Es gibt wenige Beispiele, die über Nacht zum boomenden Unternehmen werden, das sind die Ausnahmen.
- Skalierbarkeit und Wachstumsverlauf
Das Wachstum ist eher treppenartig, ist meine Erfahrung. Dann hat man den Eindruck, jetzt bewegt sich nichts mehr, und plötzlich geht es wieder eine Stufe nach oben. Es ist manchmal nicht nachvollziehbar woher. Man erscheint z.B. in den Medien, das hilft. Webcams.travel ist mit dem weltweiten Ansatz unsere skalierbare Antwort, denn der Markt für SwissWebcams ist begrenzt. Wo man dann Zusatzkosten hat, ist auf der Hardwareseite, aber das kostet heute nicht Unmengen.
- Leightweight hinsichtlich Personalressourcen
Wir haben das Hobbystadium vor etwa zwei Jahren verlassen. Wir sind ein sehr kleines Team von vier Personen. Wir haben eine sehr hohe Automatisierung erreicht. Jeden Monat verschicken wir einen Topin.travel-Newsletter, dieser wird 100% automatisch generiert. Andere Firmen beschäftigen jemand, der zwei Tage den Newsletter zusammenträgt und individuell schreibt. Die Kennzahlen für den in 2009 erwarteten Traffic wurden gegenüber den im Interview genannten Zahlen (50 bis 60 Mio Zugriffe) mit 75 Mio Seitenzugriffen (Page Impressions) sogar noch übertroffen.
*Weitere Erfahrungen mit dem Netzwerkeffekt hier in dieser Ausgabe des WissensWert Blog Carnival
Einblicke ins Seminar Enterprise 2.0 ist Führungsaufgabe
Seminaraufbau und Teilnehmer
Der Ablauf unseres Seminars “Mit Sharepoint&Co. zum wirkungsvollen Collaboration Workplace – Enterprise 2.0 ist Führungsaufgabe“, sei mit einer kleinen Fotostrecke illustriert und hier kurz beschrieben. Man kann sogar noch mehr davon sehen, dann die Lernplattform und ihre Inhalte sind sogar für Zaungäste weitgehend offen.
Die ersten Teilnehmer/innen (Automobil-, Logistik-, Pharma- und Versicherungsbranche waren vertreten) sind vom persönlichen Lernergebnis sehr angetan und gehen nun mit den aus dem Gelernten abgeleiteten To-dos in ihr Praxisumfeld. Wegen des guten Vorwissens und der Tatsache, dass alle in Enterprise-2.0-Themen bereits involviert sind – teils als Vertreter der IT-Abteilung, der Internen Unternehmenskommunikation, der E-Business-Gruppe bzw. eines Organisationsentwicklungs-Projektteams – konnten wir am zweiten Tag die Hinweise zum Einrichten und die Erstinhalte für das Modul “Persönliche Infocockpits” in das Lernblog verlagern. Die Präsenzzeit wurde dafür genutzt, um mit der Methode “Action Learning/Kommunizierendes Lernen” (in der ich von Prof. Dr. Stieler-Lorenz unterrichtet wurde) ” für zwei ausgewählte Problemeigner eine Kurzberatung durchzuführen; dies bringt konkrete Umsetzungsimpulse.
Fragestellungen
Zwei Fragestellungen standen im Fokus: Zum einen, ob eine Wiki-Anwendungen geeignet ist, um im Vertriebsumfeld “Best Practice-Erfahrungen” auszutauschen, wie die Lösung aufgebaut wäre und wie insbesondere die Einführungsphase zu gestalten wäre.
Zum anderen war die Frage, wie auf die zunehmenden Forderungen von Fachabteilungen nach individuellen Collaboration-Lösungen (hier ging es vor allem um Sharepoint) reagiert werden solle, wie zu priorisieren wäre, ob man zahlreiche Insellösungen zulassen solle, oder gleich eine grosse Implementierung für alle Anforderungen anstreben solle.
Weiterhin gab immer wieder zu diskutieren, wer denn in Enterprise-2.0-Initiativen die treibende Kraft sein solle: HR, IT und/oder die Unternehmenskommunikation.
Lehr-/Lernmethodik
Das Konzept für das Seminar setzt zeitgemässe Bildungsmethoden um: Eigenes Wissen und Erfahrung wird in das Training eingebracht, und die Lernimpulse sollen im Tagesgeschäft umgesetzt werden, so wie hier in einem aktuellen in der FAZ erschienenen Artikel beschrieben. Da vielfach noch ausgiebige Folienvorträge bei Seminaren andernorts üblich sind, fand ein Teilnehmer für unseres die Worte “exotisches Seminar”; wir sprechen von Blended Learning bzw. Learning Innovations. Unsere Seminargestaltung wurde als “Hilfe zur Selbsthilfe” wahrgenommen, und mit weniger als 10 Teilnehmern ist es in der Tat individuell ausgerichtet, d.h. eher coaching-orientiert.
Arbeitspraxis 2.0 Assessment
Zum zweiten Tag gehört auch, die Tools zur persönlichen Arbeitspraxis 2.0 nach dem Online-Assessment in der Vorlaufphase nochmals zu erheben. Bei der Reflektion darüber wird betont, dass man sich hier in erster Linie über die Arbeitsprozesse und -Ziele klar werden sollte, denen die Tools dienen.
Collaboration Maturity Assessment
Zum Abschluss dieses Erfahrungsberichts aus der ersten Seminardurchführung bleibt mir nur noch zu wünschen, dass die Teilnehmenden ihr betriebliches Umfeld auf den Weg bringen. D.h. dass ihr Collaboration-Maturity-Assessment – wenn es in 1-2 Jahren wiederholt werden sollte – einen Fortschritt im Reifegrad für Enterprise-2.0-Anwendungen gegenüber der Erstanalyse zeigt:
Vorgehensmethodik IMPACT
Die Headergrafik zeigt die situativen Vorgehensmodelle «Use Case Development» und «Corporate Services, Processes, and Infrastructure» zur Einführung von Information und Collaboration Workplace Plattformen. Diese wurden und werden weiter in Kooperation von Hochschule und Praxis im IMPACT-Forschungsprojekt entwickelt.

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